Die Amortisationsrechnung und ihre Annahmen
Eigenverbrauchsquote, Strompreissteigerung, Einspeisevergütung — drei Zahlen, die jeder Anbieter selbst setzt und die das Ergebnis bestimmen.
24.7.2026 · 2 Minuten Lesezeit
Kurz gefasst
- Drei Annahmen bestimmen jede Amortisationsrechnung: Eigenverbrauchsquote, Strompreissteigerung und Einspeisevergütung.
- Ohne Speicher liegt die Eigenverbrauchsquote typischerweise bei 25 bis 35 Prozent, mit Speicher deutlich höher.
- Regelmäßig fehlen die Betriebskosten — Versicherung, Wartung, Zählermiete und eine Rücklage für den Wechselrichtertausch.
- Zwei Amortisationsrechnungen zu vergleichen heißt, zwei Annahmensätze zu vergleichen; verglichen gehören die Annahmen selbst.
„Amortisation nach 9,2 Jahren." Diese Zahl ist kein Rechenergebnis, sondern die Folge von drei Annahmen. Ändern Sie eine davon, ändert sich das Ergebnis um Jahre.
Die drei Stellschrauben
Die Eigenverbrauchsquote. Welcher Anteil des erzeugten Stroms im Haus bleibt, statt eingespeist zu werden. Ohne Speicher liegt sie typischerweise bei 25 bis 35 Prozent, mit Speicher deutlich höher.
Sie ist die wichtigste Annahme, weil selbst verbrauchter Strom viel mehr wert ist als eingespeister: Sie sparen den Bezugspreis, statt die Einspeisevergütung zu bekommen.
Eine Quote von 80 Prozent ohne großen Speicher und ohne Wärmepumpe ist unrealistisch. Fragen Sie, worauf sie beruht.
Die Strompreissteigerung. Fast jede Rechnung unterstellt, dass Strom teurer wird. Bei 2 Prozent im Jahr sieht die Rechnung anders aus als bei 5.
Werte über 4 Prozent pro Jahr sind eine Annahme, keine Prognose. Über zwanzig Jahre verdoppeln sie den Strompreis mehr als.
Die Einspeisevergütung. Sie hängt vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme ab und ist für zwanzig Jahre festgeschrieben. Im Angebot gehört der angesetzte Satz mit Stand und Bezugsdatum.
Ein Satz ohne Datum ist nicht nachprüfbar, weil er sich mit dem Inbetriebnahmezeitpunkt ändert.
Was oft fehlt
Betriebskosten. Versicherung, Wartung, Zählermiete, Rücklage für den Wechselrichtertausch. Über zwanzig Jahre kommt hier ein vierstelliger Betrag zusammen.
Der Wechselrichtertausch. Wechselrichter halten selten zwanzig Jahre. Ein Austausch nach zwölf bis fünfzehn Jahren ist eine realistische Annahme und gehört in die Rechnung.
Die Degradation der Module. Siehe eigener Artikel.
Eine Amortisationsrechnung ohne diese drei Positionen fällt zu günstig aus.
Wie Sie sie prüfen
Sie müssen die Rechnung nicht nachbauen. Es genügt, die Annahmen sichtbar zu machen:
zur Wirtschaftlichkeitsrechnung im Angebot bitte ich um die zugrunde gelegten Annahmen:
1. angesetzte Eigenverbrauchsquote und worauf sie beruht 2. angenommene jährliche Strompreissteigerung 3. angesetzte Einspeisevergütung mit Stand und Bezugsdatum 4. angesetzte jährliche Betriebskosten 5. ob ein Wechselrichtertausch eingerechnet ist 6. angesetzte jährliche Degradation der Module
Sechs Fragen. Wenn alle sechs beantwortet werden, können Sie die Rechnung einordnen. Wenn drei unbeantwortet bleiben, wissen Sie ebenfalls etwas.
Warum Sie zwei Amortisationsrechnungen nicht vergleichen sollten
Weil sie verschiedene Annahmen enthalten. Anbieter A rechnet mit 3 Prozent Strompreissteigerung und 40 Prozent Eigenverbrauch, Anbieter B mit 5 und 55. B sieht besser aus und hat vielleicht die schlechtere Anlage.
Vergleichen Sie stattdessen die harten Größen: Preis je kWp, Komponenten, Garantien, Leistungsumfang.
Die ehrlichere Rechnung
Wenn Sie selbst überschlagen wollen, reichen drei Zahlen und keine Steigerungsannahme:
Jahresertrag mal Eigenverbrauchsquote mal Ihr heutiger Strompreis, plus eingespeiste Menge mal Einspeisevergütung. Das ist der jährliche Nutzen zu heutigen Bedingungen.
Anlagenpreis geteilt durch diesen Nutzen ergibt eine Amortisationszeit ohne Optimismus. Wenn die trägt, trägt die Anlage.
In der Prüfung
Die Eigenverbrauchsquote ist Prüfpunkt PVA-21 in unserem Prüfkatalog, die Strompreissteigerung PVA-22, die Einspeisevergütung mit Datum PVA-23, die Degradation PVA-24. Der Bericht nennt jede Annahme, die er findet, und stellt fest, welche fehlt.
Er bewertet die Wirtschaftlichkeit nicht. Ob sich eine Anlage lohnt, ist Ihre Entscheidung.
Die Vorschau ist kostenlos.